Ausgabe:

Grosses Thema Tierwohl – Ein Interview

Freitag, 02. November 2018

Thomas Vogelsang, Geschäftsführer BVDF Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V., zu den aktuellen Herausforderungen in der Fleischwirtschaft, über Tierwohl, vegetarische Alternativ-Produkte und die Preisentwicklung

Wie entwickeln sich aktuell die Sorten Rind-, Schweinefleisch, Geflügel nach Angebot und Nachfrage im Lebensmittelhandel?
Die Nachfrage nach Fleisch ist im ersten Halbjahr des laufenden Jahres erneut um fast zwei Prozent zurückgegangen, nur Geflügel legte etwas zu. Insbesondere bei Schweinefleisch ist bereits seit längerem ein deutliches Minus festzustellen.

Welche besonderen Herausforderungen muss die Fleischwarenindustrie derzeit bewältigen?
Ein sehr grosses Thema für die Branche ist gegenwärtig das Tierwohl – bezogen auf die Haltung, das Verbot der betäubungslosen Kastration und die Kennzeichnung der Haltungsbedingungen. Zudem ergeben sich durch die gesellschaftlichen Veränderungen – insbesondere durch den zunehmenden Ausser-Haus-Verzehr – neue Anforderungen an die Sortimente.

Welche Nachfrageentwicklung erwarten Sie bei vegetarischen Fleisch/Wurstangeboten?
Die vegetarischen Produkte wurden insbesondere von Verbrauchern nachgefragt, die ohne wirkliche Umstellung der gewohnten Ernährung ihren Fleischverzehr reduzieren wollten. Viele Verbraucher haben das neue Angebot ausprobiert und sind wieder zum «Original» zurückgekehrt. Das vegetarische Angebot wird nach einem zunächst stürmischen Wachstum nun ein Teilmarkt bleiben.

Wie wird sich nach Ihrer Einschätzung die lange Hitzeperiode auf die Fleischpreise auswirken?
Durch die Hitze und die Ferienzeit war die Nachfrage eher schwach. Die Preise für Fleisch und Wurst sind im Vergleich zu Obst oder Kartoffeln kaum gestiegen. Mögliche Marktverwerfungen könnten jedoch bei einem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest entstehen.

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Rückläufige Nachfrage 

Der Fleischverzehr ist laut Bundesverband der deutschen Fleischindustrie in Deutschland 2017 gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Kilogramm auf 59,7 Kilogramm gesunken. Deutschland bleibt im europäischen Vergleich mit teilweise deutlichem Abstand hinter Spanien, Dänemark, Österreich und weiteren Ländern zurück, in denen mehr Fleisch konsumiert wird. 

Hierzulande bildet Schweinefleisch mit einem Pro-Kopf-Verzehr von knapp 36 Kilo trotz deutlichen Rückgangs (-0,9 kg) weiterhin die Spitze in der deutschen Verbrauchergunst. Die wichtigsten Ursachen für die sinkende Lust auf Schweinefleisch liegen in der demografischen Entwicklung, dem zunehmenden Ausser-Haus-Verzehr und im Anstieg des Anteils von Bevölkerungsgruppen, die kein Schweinefleisch verzehren. An zweiter Stelle auf der Beliebtheitsskala steht Geflügel mit einem stagnierenden Verbrauch von 12,4 kg. Erst an dritter Stelle steht Rindfleisch, auch wenn eine leicht positive Entwicklung im Verzehr festzustellen ist, der 2017 um 0,2 Kilo auf 10 Kilogramm angestiegen ist. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich allerdings weit hinten. So assen die Schweizer im Jahr 2016 elf Kilo Rindfleisch pro Kopf und die Österreicher 2017 fast 12 Kilo. 

 

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Ansprüche an Fleisch in der DACH-Region

Bei Fleisch und Wurstwaren gibt es bei Produktneueinführungen grosse Unterschiede zwischen den DACH-Ländern. 

  • In Österreich dominieren laktosefreie Produkte (36%) und glutenfreie Produkte (42%) die Produkteinführungen. Bioprodukte sind dafür seltener, nur 5% trugen 2017 eine Bio-Zertifizierung, aber 9% wurden als «aus ethischer Tierhaltung» vermarktet
  • In der Schweiz ist «Ethische Tierhaltung» die 
  • Nr. 1-Marketingangabe für Fleischprodukte: 19% aller Produkteinführungen in der Kategorie trugen 2017 eine derartige Angabe. 11% aller Produkte wurden als «bio» vermarktet, aber nur 11% als «glutenfrei» und nur 4% als «laktosefrei».
  • In Deutschland sind derartige Produktclaims ebenfalls am häufigsten, jedoch nicht so weit verbreitet wie in Österreich. 20% der 2017 eingeführten Fleischwarenprodukte wurden als «glutenfrei» vermarktet, 17% als «laktosefrei». 10% der Produkte waren bio, aber nur 5% gaben auf der Verpackung an, aus ethischer Tierhaltung zu stammen. 73% der deutschen Verbraucher (2018) geben an, dass es Ihnen wichtig ist, dass Fleisch und Fisch einen hohen Tierschutzstandard erfüllen, wenn sie solche Produkte kaufen. 39% geben an, dass es ihnen wichtig ist, ob solche Produkte «bio» sind. 
 
Quelle: Mintel, 2018 

 

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«Wertschätze» bei Kaufland

Verantwortungsvolle Tierhaltung und geprüfte Herkunft sind die Eckpfeiler des neuen nachhaltig ausgerichteten Premiumfleisch-Programms namens «Wertschätze», mit dem Kaufland sein Engagement für das Tierwohl fortsetzt. So haben Schweine beispielsweise während ihrer Aufzucht 40 Prozent mehr Platz als im gesetzlichen Mindeststandard verankert und wachsen in bäuerlichen Familienbetrieben entspannter auf. Voraussetzung im Wertschätze-Programm sind auch Ställe mit offener Front und Stroh als Beschäftigungsmaterial – dies gehe weit über die gesetzlichen Vorschriften hinaus, heisst es aus der Kaufland-Zentrale. Mit den Vertragslandwirten unterhalte man partnerschaftliche Beziehungen. Zudem gebe es für die Aufzucht eine streng festgelegte niedrige Bestandsgrenze. Viele der Fleischspezialitäten stammen Kaufland zufolge aus Deutschland, Schweinefleisch sogar zu 100 % von deutschen Bauernhöfen; ergänzt werde das Programm durch internationales Qualitätsfleisch aus aller Welt. Aber man sei noch nicht am Ziel, so Ralph Dausch, Leiter der Kaufland Fleischwerke. «Mit unseren Partnern werden wir weiterhin Haltungsbedingungen optimieren und Nachhaltigkeit fördern. Wir wollen das neue Programm schrittweise erweitern. So bieten wir unseren Kunden beste Möglichkeiten für ihren Einkauf und bewussten Fleischkonsum.»

 

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