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Convenient und doch ausgewogen

Freitag, 02. November 2018
Foto: Stockfood

Eine schnelle, unkomplizierte Zubereitung, und ausgewogene Rezeptur – das erwarten Verbraucher von TK-Gerichten. Wie die Hersteller dieser Erwartung gerecht werden und wie sie für neue Impulse sorgen wollen.

Seit 1955 die ersten sechs Tiefkühlprodukte für den LEH auf der Anuga vorgestellt wurden, hat sich der Absatz in Deutschland vervierzigfacht – 2017 lag er bei 1,8 Millionen Tonnen. Denn Tiefgekühltes (TK) hat viele Vorteile. «Es ist durch schnelles und schonendes Einfrieren auf natürliche Weise haltbar, weshalb Konservierungsmittel überflüssig sind. Es lässt sich spontan und unkompliziert zubereiten und leicht portionieren, was Lebensmittelabfälle reduziert», heisst es aus dem Hause Geti Wilba. 

Unkompliziert und authentisch

Ausserdem passt Tiefgekühltes gut zum heutigen Gesundheitsbewusstsein. Denn eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung für das Deutsche Tiefkühlinstitut zeigt, dass die Wünsche nach schneller Zubereitung und Ausgewogenheit gleichrangig sind und nicht im Widerspruch zueinander stehen dürfen. Genau daran arbeiten die Hersteller unter Hochdruck. «TK steht für Convenience, Frische und Qualität. In diesen Kontext lässt sich der Megatrend zur bewussten Ernährung perfekt integrieren. Insbesondere Fisch und Gemüse passen dazu», sagt Markus Mischko, bei Iglo als Geschäftsführer für den Bereich Sales zuständig. Das Unternehmen hat zuletzt die Veggie-Love-Range auf den deutschen Markt gebracht, die erstmals tiefgekühlte Hülsenfrucht-Mischungen als Rohgemüse und Gemüsepfanne anbietet. Costa setzt in seinen Gerichten Fisch und Meeresfrüchte in Szene. «Gesunde, ausgewogene Rezepturen und Premiumgerichte rücken mehr in den Fokus und werden stärker nachgefragt. Die Gerichte der Zukunft greifen diese Aspekte auf und bieten neben einer schnellen Zubereitung eine ausgewogene Ernährung für den Verbraucher, bei der auch der Genuss-Aspekt nicht zu kurz kommt», sagt Nina Bakker, Marketingleiterin bei Costa.

Bei TK-Pizza, die 16 Prozent am gesamten TK-Markt ausmacht, lautet das aktuelle Motto eher «wie frisch vom Lieblingsitaliener». So sind die neuen Linien «La Mia Grande» von Dr. Oetker und «Ernst Wagners Original» von Nestlé Wagner handwerklich geprägt und setzen auf individuelle Zutaten und authentische Rezepturen. Beide werden auf Stein gebacken, was den Boden hauchdünn und den Rand locker-knusprig macht. Von Dr. Oetker sind zudem drei der vier Sorten vegetarisch, was den langfristigen Trend zur fleischlosen Ernährung bedienen soll - für den Handel die Chance zur Wertschöpfung.

Marke ausschlaggebend bei Kauf

«Die Marke ist beim Kauf einer Tiefkühlpizza übrigens das wichtigste Kriterium. Eine Auswahl, die die verschiedenen Hersteller und Preissegmente abdeckt und etablierte Lieblingssorten genauso berücksichtigt wie innovative Neuheiten, sollte daher diesem Muster am POS Rechnung tragen», erklärt Jan Kosmann, Group Key Account Manager im Verkauf Tiefkühlkost bei Dr. Oetker. Denn: «Im Zweifelsfall entscheidet sich der Shopper nämlich nicht für eine andere Pizza, sondern für einen anderen Markt.» 

Zuletzt kann sich der stationäre Handel mit TK positiv vom Onlinehandel differenzieren. Stiftung Warentest hat jüngst zehn deutsche Online-Supermärkte getestet und festgestellt, dass mehr als die Hälfte der kühlpflichtigen Probebestellungen zu warm bei den Testern ankam. «Umgekehrt bieten andere Online-Shops gar nichts Tiefgekühltes an, auch, weil die Verpackungskosten, zum Beispiel für Styroporboxen und Trockeneis zu hoch sind. Daher sind viele Verbraucher skeptisch und kaufen Tiefkühlkost nicht über das Internet», weiss Geti Wilba.

Info

Zahlen und Fakten zum Markt TK-Fertiggerichte

Obwohl nur für fünf Prozent der deutschen Verbraucher ein TK-Fertiggericht eine gesunde Option ist, halten sie 56 Prozent für eine gute Alternative, wenn sie zu beschäftigt sind, um zu kochen. 40 Prozent sagen, dass solche Gerichte gut geeignet sind, wenn sie allein essen. 26 Prozent sind sie zu unnatürlich. Vielfalt und Exotik der Gerichte scheinen hingegen nicht allzu sehr ins Gewicht zu fallen: Nur für 7 Prozent sind gefrorene Fertiggerichte geeignet, um neue Geschmäcker auszuprobieren.

Quelle: Mintel

 

Tipps

Wie der LEH Tiefkühlprodukte in Szene setzen kann

  • Costa empfiehlt, in der TK-Abteilung mit einer Aufteilung nach Arten (Pasta, Fisch etc.) und Rezepturen (asiatisch, mediterran etc.) Orientierung zu schaffen und mit emotionalen Bildern an beziehungsweise über den Truhen und Schränken für «Appetite-Appeal» zu sorgen. Ausserdem kann der Handel Zweitplatzierungen testen und etwa Fisch-Fertiggerichte einerseits bei den Fertiggerichten, andererseits in der Fisch-TK-Abteilung platzieren. Im Hinblick auf die stetig steigende Zahl von Ein-Personen-Haushalten ist es wichtig, die Sortiments- und Packungsgrössen an die Käufer anzupassen.
  • Dr. Oetker zufolge stellt sich die Tiefkühlabteilung häufig als funktional eingerichtete Pflichtkategorie dar. Viele Einzelhändler gestalten sie attraktiver – zum Beispiel mit emotionaleren Truhenverkleidungen, individuellen Fussböden oder modernen Lichtquellen. Aus Sicht des Unternehmens ist dies ein wichtiger Schritt, denn in der abverkaufsstarken Präsentation von TK-Produkten sieht es noch grosses Potential.
  • Mit Kreativität die Vorteile von TK-Produkten in Szene zu setzen, empfiehlt Geti Wilba. So bietet beispielsweise ein Tiefkühlschrank eine bessere Übersicht als eine Tiefkühltruhe und sieht im Allgemeinen aufgeräumter aus. Auch eine optimale Platzierung der Produkte sowie eine eindeutige Preisauszeichnung spielen eine wichtige Rolle.
  • Iglo findet, dass die Besucherfrequenz von Shoppern in der TK-Abteilung noch Potenzial bietet. Diese läge pro Einkauf nur bei 30 Prozent. Food-Abbildungen und ein farbiges Ladendesign sind ein Ansatz. Zusätzliche Umsätze kann der Handel durch cross-funktionale Verknüpfungen zu anderen Segmenten schaffen, die Impulskäufe generieren. Damit lassen sich sowohl neue Käufer in den TK-Bereich locken, als auch Inspiration für TK-Fertiggerichte und spannende Verwendungs- und Kombinationsanreize schaffen.

 

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