Ausgabe:

Digitalität und Humanität

Mittwoch, 01. August 2018

Die Interaktion zwischen Mensch und Technik nimmt weiter zu. Wo aber bleibt der Mensch in diesem Digitalisierungshype? Unter dem Thema «Digitalität und Humanitität» ist die MARKANT auf dem Mitgliederkongress am 7. und 8. Juni in München dieser Frage nachgegangen.

Staffless Store, Technik unter der Haut in Form von Mikrochips mit den wichtigsten Gesundheitsdaten, autonomes Fahren und Produkte aus dem 4-D-Drucker – das ist ein Auszug der digitalen Trends der Zukunft. Trends, die Unternehmen wie die Gesellschaft gleichermassen verändern werden. In diesem Kontext stellen sich die Fragen, wann und ob der Mensch im digitalen Wandel seine Menschlichkeit verlieren wird beziehungsweise wann die Maschinen das Kommando übernehmen werden. Diese Fragen standen auch beim MARKANT Mitgliederkongress im Fokus und wurden von verschiedenen Experten kontrovers diskutiert. 

Gefragt: Neue Leistungen

Die Resonanz auf die Veranstaltung mit dem zeitaktuellen Thema war gross, mehr als 240 Führungskräfte der Handelspartner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nahmen daran teil. Der Bayerische Hof in München wurde dabei zu einer Plattform für Zukunftsvisionen, Szenarien und Chancen des digitalen Wandels. 

Um den Transformationsprozess erfolgreich bestreiten zu können, bedürfe es allerdings einiger  Rahmenbedingungen. Agilität und Flexibilität seien hierbei die Stichwörter. «Für uns heisst das, aktiv und initiativ zu sein – eine Basis darzustellen, damit Sie die notwendigen Veränderungen durchführen können», sagte Franz-Friedrich Müller, Geschäftsführer der MARKANT AG. Weiter fügte er hinzu: «Wir brauchen den Transformationsprozess, um unsere neuen Leistungen zum Nutzen unserer Partner zu generieren.» Allerdings bedeute Digitalisierung auch permanente Veränderung – und dies funktioniere nur gemeinsam mit dem Menschen. «Wir müssen lernen, mit Veränderung umzugehen. Dafür braucht es Offenheit und Freude auf das Neue, so Markus Tkotz, Geschäftsführer der MARKANT AG. Dass Fortschritt Arbeitslosigkeit bedeute, sei ein Mythos. Durch den digitalen Wandel entstünden mehr Jobs als durch die Automatisierung verschwänden. «Der Handel mit der grössten Beschäftigungszahl kann diesen Transformationsprozess erfolgreich begleiten und für die Politik positiv gestalten», führte Tkotz aus. Bildung und Weiterbildung seien dabei einer der Schlüsselfaktoren. Auch Neugierde und die Bereitschaft der Mitarbeiter seien gefragt, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Gefordert: Weiterbildung

Permanente Veränderung, zunehmend verschwimmende Grenzen der Interaktion zwischen Mensch und Technik – drohen die Unternehmenswerte hierbei unter die digitalen Räder zu kommen? Dazu erklärte Müller: «Letztlich leben wir und unsere Partner mit den Themen Verlässlichkeit, Wertschätzung und Kontinuität. Nicht wir sind entscheidend, entscheidend ist der Erfolg unserer Partner.» Daher seien Algorithmen gefragt, die Freiräume für neues Denken und neue Chancen schaffen, allerdings müsse der Mensch weiter im Mittelpunkt stehen. Ferner bekomme das Thema «Vertraulichkeit von Daten» in diesem Kontext eine neue Bedeutung. Sie seien zwar das Gold der Neuzeit, aber es gebe Grenzen, die nicht überschritten werden dürften. «Für uns hat die Vertraulichkeit von Daten höchste Priorität», sagte Tkotz. Solche Ansprüche gelte es, in die Unternehmens- und Privatssphäre zu übertragen. So blieben die Grundwerte stabil und andere Werte würden wichtiger – wie etwa das Recht auf den Schutz vor Verfolgbarkeit im Internet oder das Recht auf ausgewogene Information. «Ich möchte nicht, dass ich auf einer Plattform Nachrichten vorgefertigt bekomme und mein Mindset, meine Unabhängigkeit verliere.» Abschliessend fügte Tkotz hinzu: «Im Digitalisierungsprozess dürfe Ethik nicht als Bremsklotz gegenüber der Fortschrittswirklichkeit verstanden werden.»

Statement

Die Erfolgsfaktoren der MARKANT im digitalen Transformationsprozess

Franz-Friedrich Müller, Geschäftsführer MARKANT AG
«Nur im Dialog mit unseren Partnern können wir uns austauschen, welche Prozesse wir gemeinsam angehen. Diese Antwort kann uns kein Algorithmus liefern. Unsere Kommunikationskultur und unser gesellschaftliches Wertesystem, das sich über viele Jahrhunderte entwickelt hat, dürfen nicht einfach aus wirtschaftlicher oder technischer Begeisterung vernichtet werden.»

 
Markus Tkotz, Geschäftsführer MARKANT AG
«Wir glauben stark daran, dass durch die neuen Themen des digitalen Wandels und natürlich durch die intensive Zusammenarbeit mit den Handelspartnern mehr Arbeitsplätze geschaffen als dass durch eine mögliche Automatisierung Arbeitsplätze verschwinden werden. Ich sehe den digitalen Wandel daher als echte Chance für den Handel. In diesem Zusammenhang werden Bildung und Weiterbildung mit Sicherheit wichtige Schlüsselfaktoren werden.»